Wie im vergangenen Jahr wurde von (Queer) Feministischer Streik München, Solidarity Network Dachau und FAU München zur 1. Mai Kundgebung am Weißenburger Platz eingeladen. Das Konzept Beschäftigte aus verschiedenen Betrieben über ihren Alltag und ihre Kämpfe berichten zu lassen, stellt nicht nur eine Ergänzung zu langen Latschdemos und reformistischen wie vermeintlich revolutionären Floskeln dar. Es geht darum den alltäglichen Klassenkampf unter der Oberfläche durch Arbeiter*innen selbst direkt sichtbar zu machen.

Kolleg*innen berichten selbst von ihren Kämpfen

In diesem Jahr war der Kontext mit zwei internationalen Beiträgen breiter ausgerichtet. Den Anfang machte ein abgespieltes Statement einer Arbeiterin aus Bangladesch, die sich gegen die Ausbeutung in der Teeindustrie richtet. Auf einen Bericht aus den Verhandlungen um den TV-L und die Bedingungen an Universitäten folgte ein Bericht aus dem Helios Klinikum Dachau, wo die Beschäftigten mit einem wochenlangen Kampf vorerst verhindert haben, dass den Pflegekräften das Putzen der Betten übertragen wird. Während dieses Kampfes mit betrieblichen Aktionen, offenen Briefen, Podiumsdiskussionen und einer Petition mit über 3000 Unterschriften, bauten sie noch eine Vernetzung zu den streikenden Dachauer Busfahrer*innen auf. Andere reden von Bündnissen an der Basis im Betrieb, hier wurde es einfach selbst gemacht. Indem die Kolleg*innen aus dem Klinikum die Streikposten am Busdepot besuchten, wurde untereinander sehr schnell klar, dass man eine gemeinsame Sprache spricht, die Arbeitsbedingungen ähnlich hart sind, man die systemrelevante Rolle selbstbewusst sieht und angeht. Die Aktionen am Klinikum wurden in der Bevölkerung positiv aufgenommen, über die Streiks der Busfahrer*innen wird stets einseitig und negativ berichtet – nicht einmal die Forderungen werden wiedergegeben!
Und die waren grundlegend: bspw. wenn eine Ruhezeit zwischen den Schichten von 11 statt 9 Stunden gefordert wird oder Wegzeiten als Arbeitszeit angerechnet werden sollen. Hauptforderung war eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden und dafür waren sie bereit auch über mehrere Tage zu streiken. In keiner bayerischen Stadt wurde so lange am Stück gestreikt wie in Dachau – Mitte März drei volle Tage – und immer war die Streikbeteiligung 100 Prozent. Während des dreitägigen Streiks vom 18. bis 21. März hängten Klinikbeschäftigte ein Solidaritätsplakat bzw. Flugblatt in Bushaltestellen und diskutierten mit Passant*innen über die Notwendigkeit des Streiks. Die Besuche bei den Streikposten wurden obligatorisch. Eine Vernetzung von Aktiven zweier kämpfender Belegschaften in einer Kleinstadt ist wohl das, wovon so manche Salonlinke nur zu träumen wagen. Der Blick auf die Gewerkschaft war durchaus kritisch – den Busfahrer*innen wurde eine von ihnen angestrebte Kundgebung durch verdi untersagt. Am Klinikum Dachau wurden die Kolleg*innen teils vom Solidarity Network, teils von verdi unterstützt, v.a. als sie eine Aktive Mittagspause an allen vier Helios Kliniken in Dachau, Markt Indersdorf, München Pasing und München Perlach durchführten. Im zentralen Beitrag des (Queer) Feministischen Streiks wurden zunächst die Kürzungen im Sozialbereich und die herablassende Sprache der letzten Wochen, wie „Lifestyle Teilzeit“, betrachtet und die elementare Bedeutung unbezahlter Care Arbeit für den Fortbestand des kapitalistischen Systems hingewiesen. Gerade dies stellt mit den Grund für Teilzeitarbeit dar, Patriarchat und Kapitalismus sind zwei Seiten der selben Medaille.

Den Spieß umdrehen!

Der diesjährige 8. März in München mit 7000 Menschen auf der Demonstration zeugt davon, dass dieser Umstand ganz oben auf der Agenda stehen bleibt. In Zuge zunehmender Kriege und militärischer Angriffe wurde auf Militarisierung aus Klassenperspektive eingegangen, zumal die bayerische Industrie stark geprägt ist von Rüstung und auch immer mehr bayerische Zulieferbetriebe aus der Automobilindustrie ihre Produktion auf Rüstung umsatteln. Dass Arbeiter*innen in Krisen und Kriegen egalitäre und emanzipatorische Forderungen und eine Neuordnung der Gesellschaft im Blick haben, die eben gegen die herrschenden Autoritäten gerichtet ist, wurde durch ein verlesenes Statement der Iran Labour Confederation klar und deutlich, welche weiter an einem revolutionären Prozess festhalten. Darum geht es, „egal woher wir herkommen, wir halten zusammen“ schrieben die Klinikbeschäftigen in ihrem Soliplakat für die Busfahrer*innen. So sieht es aus! Regional wie international! One world one struggle

Antiautoritärer 1. Mai in München

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