Erfahrungsbericht einer studentischen Hilfskraft

Dieser Text war ein Redebeitrag auf der Antiautoritärer 1. Mai Veranstaltung 2026.


Ich bin Kevin von der FAU München, Student und arbeite als sogenannte studentische Hilfskraft an zwei wissenschaftlichen Institutionen.

Vergangenen Januar und Februar habe ich zum zweiten Mal gestreikt, als im Rahmen der Neuverhandlungen über den TV-L im Öffentlichen Dienst meine Betriebe an zwei Tagen zum Warnstreik aufgerufen waren. Das erste Mal gestreikt hatte ich bei der letzten Tarifrunde im Winter 2024. Beide Male war es zwar eine interessante Erfahrung, jedoch nicht ganz von der Art, wie ich mir streiken vorstelle. Denn als Mitglied von weder ver.di noch GEW habe ich wie auch andere Kolleg*innen nur wenige Tage vorher von dem Streikaufruf erfahren und waren kaum in dem Prozess zur Formulierung der Forderungen eingebunden. Es ging in der Tarifauseinandersetzung zwar um unsere Interessen, jedoch wirklich Teil eines Arbeitskampfes zu sein, hatte ich beide Male nicht. Bei der Teilnahme an den Streikkundgebungen hatte ich ein ähnliches Gefühl wie an den Wahlen, bei denen ich mich mal entschlossen hatte, meine Stimme abzugeben: Es hat wenig mit mir zu tun und Repräsentant*innen beschließen mich betreffende Dinge, auf deren Entscheidungsprozess ich kaum Einfluss habe. Letztendlich ist aus diesen, meinen Erfahrung heraus, ist ein Warnstreik nur eine Performance der sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften, um ihre vermeintliche Macht zu demonstrieren. Er wie auch die Tarifverhandlungen sind jedoch nicht die Art Arbeitskämpfe, in der die Belegschaften ihre Macht und Wirkmächtigkeit gegenüber ihren Bossen ausbilden und erfahren.

Eine weitere Ernüchterung war für mich erneut auch das Ergebnis der Tarifverhandlungen. Damit meine ich nicht das Tatsächliche Ergebnis zwischen Gewerkschaften und TdL, sondern welche Konsequenz es hat, dass uns die Bundesländer mehr Lohnzahlen müssen. Denn das Budget für die Einrichtungen wird nicht erhöht, was bedeutet, dass es weniger Mittel für neue Stellen, für neue wie laufende Projekte, für die Infrastruktur der Einrichtungen gibt. Neben Verwaltung und Uniklinken sind einige Forschungseinrichtungen Teil des TV-L. Der bürgerliche Staat und seine liberalen Fans sehen sich andauernd als Verteidiger der freien Wissenschaft und Forschung. Wie frei können diese jedoch sein, wenn ihre Institutionen nicht frei über ihre Mittel entscheiden, sondern diese vom Staat zugewiesen oder als Drittmittel von Stiftungen und Firmen erbettelt werden müssen?

Wir alle hier wissen warum zumindest für einige Forschungszweige wie auch im kulturellen und sozialen Bereich die Mittel fehlen. Weil die Bundesrepublik als deutscher Staat wieder wehrfähig sein will. Für mich als jemanden, der Geschichte studiert, graut es vor Forderung nach einem Deutschland, das mehr Militär braucht, um seinem Platz in der Welt zu behaupten. Daher hoffe ich, dass wir als Lohnarbeitende die Tradition, in der der heutige Tag steht, wieder aufnehmen und darum streiten, dass wir die Kontroll über unsere Arbeit zurück erlangen. Daher mein alljährlicher Aufruf dazu, euch zu organisieren, an euren Arbeitsplätzen wie auch in euren Vierteln oder Dörfern!

Realität des Tarifstreiks

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